André Pardun

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Philosophie

Vergehen

 

Auch die Gegensätze von Entstehen und Vergehen, von Bewirken und Zerstören können bei den Widerlegungen und bei den Begründungen benutzt werden; denn das, aus welchem das Gute entsteht, ist selbst gut, und wenn etwas selbst gut ist, so ist es auch das, was aus ihm entsteht. Ebenso ist, wenn etwas Entstandenes schlecht ist, auch das, woraus es entstandenist, schlecht. Bei dem Verderbenden verhält es sich umgekehrt. Denn wenn das Verderbende das Gute verdirbt, so ist es selbst schlecht und wenn es das Schlechte verdirbt, so ist es selbst gut. Dasselbe Verhältniss besteht bei dem Bewirkenden und Zerstörenden; denn was das Gute bewirkt, ist selbst gut, und was das Gute zerstört, ist selbst schlecht.

[Aristoteles: Organon]

Ich nenne nämlich Stoff, das zuerst einem Jeden zum Grunde liegende, aus dem als vorhandenem etwas wird, nicht auf beiläufige Art, und in das beim Vergehen alles zuletzt eingeht. So daß er in der That stets vergeht, ohne zu vergehen.

[Aristoteles: Physik]

Laß mich nun weiter betrachten, durch welche Bewegung die Dinge
Aus den erzeugenden Keimen entstehen und wieder vergehen.
Ferner, wie heißt die Gewalt, die sie hierzu zwingt, und die Triebkraft,
Die sie befähigt den Weg durch das endlos Leere zu nehmen?
Dies will ich alles erklären: vergiß nicht, der Worte zu achten!
Sicherlich hängt die Materie nicht untereinander zusammen
Wie ein Klumpen geballt; wir sehn ja, wie alles sich mindert
Und allmählich zerfließt in dem langsamen Strome der Zeiten,
Wie es sein Altern entzieht der Betrachtung unserer Augen.
Trotzdem scheint sich das Ganze doch unvermindert zu halten,
Weil zwar jegliches Ding, das Urelemente verlassen,
Minder wird; aber das andre, wohin sie sich wandten,vermehrt sich.
So muß dieses vergehn, auf daß dort Neues erblühe.
Aber auch dort ruht nichts. So muß sich erneuen das Weltall
Je und je; in der sterblichen Welt lebt eins von dem ändern.
Ein Volk schwingt sich empor, ein anderes sinkt von der Höhe,
Und in kürzester Frist verwandeln sich unsre Geschlechter:
Eins reicht wie bei den Läufern dem ändern die Fackel des Lebens.

[Lukrez: Über die Natur der Dinge]

1. Wenn wir bei der Annahme, die Welt als eine körperliche sei ewig, sei stets gewesen und werde stets sein, die Ursache davon auf den Willen Gottes zurückführen, so werden wir damit zunächst vielleicht etwas wahres sagen, aber keine deutliche Erklärung liefern. Sodann könnte die Veränderung der Elemente und das Vergehen der auf Erden lebenden Organismen bei bleibender Form in derselben Weise vielleicht auch im Universum stattfinden, insofern der Wille dazu im Stande ist, bei stets entfliehendem und fliessendem Körper dieselbe Form bald diesem bald jenem beizulegen, dergestalt dass nicht die numerische Einheit für immer erhalten bliebe, wohl aber die Einheit der Form nach. Indessen warum sollte diesen Dingen in dieser Weise bloss der Form nach die Ewigkeit zukommen, die Dinge am Himmel aber und der Himmel selbst in jener Weise ewig sein?

[Plotin: Enneaden]

DICSON. Eine Ansicht, die mir sehr zusagt, schon weil sie nirgends eine Lücke zeigt. In Wahrheit müssen wir nothwendigerweise, da wir ein constantes und ewiges Materialprincip setzen können, auch ein Formalprincip derselben Art setzen. Wir sehen alle Formen in der Natur aus der Materie schwinden und wieder in die Materie eingehen; daher scheint in Wirklichkeit nichts beständig, nichts fest oder ewig und werth der Geltung eines Princips, als die Materie. Ueberdies haben die Formen kein Sein ohne die Materie, an welcher sie entstehen und vergehen, aus deren Schoosse sie entspringen und in  deren Schooss sie zurückgenommen werden.

[Bruno: Von der Ursache, dem Princip und dem Einen]

 Das Vermögen, womit die Einzeldinge und folglich auch der Mensch sein Sein erhält, ist das Vermögen Gottes oder der Natur selbst (nach Zusatz zu Lehrsatz 24, Teil 1), nicht sofern er unendlich ist, sondern sofern er durch das wirkliche menschliche Wesen ausgedrückt werden kann (nach Lehrsatz 7, Teil 3). Also ist das Vermögen des Menschen, sofern es durch dessen wirkliches Wesen ausgedrückt wird, ein Teil des unendlichen Vermögens, d.h. (nach Lehrsatz 34, Teil 1) Wesens Gottes oder der Natur. Damit ist das erste bewiesen. - Ferner, wenn es möglich wäre, daß der Mensch keine andere Veränderungen erleiden könne als solche, die aus seiner Natur allein begriffen werten können, so würde daraus folgen (nach Lehrsatz 4 und 6, Teil 3), daß er nicht vergehen könne, sondern daß er notwendig immer existiere.

[Spinoza: Ethik]

 (Daß alle Erscheinungen der Zeitfolge insgesamt nur Veränderungen, d.i. ein sukzessives Sein und Nichtsein der Bestimmungen der Substanz sein, die da beharret folglich das Sein der Substanz selbst, welches aufs Nichtsein derselben folgt, oder das Nichtsein derselben, welches aufs Dasein folgt, mit anderen Worten, daß das Entstehen oder Vergehen der Substanz selbst nicht stattfinde, hat der vorige Grundsatz dargetan. Dieser hätte auch so ausgedruckt werden können: Aller Wechsel (Sukzession) der Erscheinungen ist nur Veränderung; denn Entstehen oder Vergehen der Substanz sind keine Veränderungen derselben, weil der Begriff der Veränderung eben dasselbe Subjekt mit zwei entgegengesetzten Bestimmungen als existierend, mithin als beharrend, voraussetzt.

[Kant: Kritik der reinen Vernunft]

Allerwärts sehen wir eine Kette von Wirkungen und Ursachen, von Zwecken und den Mitteln, Regelmäßigkeit im Entstehen oder Vergehen, und, indem nichts von selbst in den Zustand getreten ist, darin es sich befindet, so weiset er immer weiter hin nach einem anderen Dinge, als seiner Ursache, welche gerade eben dieselbe weitere Nachfrage notwendig macht, so, daß auf solche Weise das ganze All im Abgrunde des Nichts versinken müßte, nähme man nicht etwas an, das außerhalb diesem unendlichen Zufälligen, für sich selbst ursprünglich und unabhängig bestehend, dasselbe hielte, und als die Ursache seines Ursprungs ihm zugleich seine Fortdauer sicherte.

[Kant: Kritik der reinen Vernunft]

Diesem nach kann die Substanz auch weder entstehen noch vergehen. Sie kann nicht entstehen; denn man setze etwas als entstehend, so muß ein Moment vorhergegangen sein, in welchem es noch nicht war, jener Moment mußte aber selbst fixiert werden, also mußte in jenem Moment selbst etwas Beharrendes sein. Also ist das jetzt Entstehende nur eine Bestimmung des Beharrenden, nicht das Beharrende selbst, welches immer dasselbe ist. Die Substanz kann ebensowenig vergehen; denn indem etwas vergeht, muß selbst etwas Beharrendes zurückbleiben, durch welches der Moment des Vergehens fixiert wird. Also war das, was verging, nicht das Beharrende selbst, sondern nur eine Bestimmung des Beharrenden.

[Schelling: System des transzendenten Idealismus]

Sein und Nichts sind dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht mehr Sein und Nichts und haben eine verschiedene Bestimmung; im Werden waren sie Entstehen und Vergehen; im Dasein als einer anders bestimmten Einheit sind sie wieder anders bestimmte Momente.

[Hegel: Wissenschaft der Logik]

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